(Nach dem Anklicken der Filmausschnitte werden leider die bewegten Animationen geblockt. Also entweder immer danach diese Seite aktualisieren oder sie zum Schluss anschauen, sorry) 

Der Countdown läuft ... Junggesellen(innen)-Abschied

Seit dem 07.07.07 waren wir auf der Insel und langsam trafen die ersten Gäste ein. Also stand 2 Tage vor der Hochzeit einem Junggesellinnen-Abschied nichts mehr im Wege. Die Damen zogen von Lokal zu Lokal und nachts um 3 Uhr kam eine SMS "Bin zur Hochzeit pünktlich wieder da, hicks". Ein Tag später zogen die Herren nach und... durch Westerland. Ich machte mir jedoch aufgrund der erhöhten Verletzungsgefahr große Sorgen über die sich an der Stange räkelnden Frauen. Aus gegebenen Anlass gibt es auch kein jugendfreies Foto

Es ist Freitag, der 13.07.07 ! 

Der Morgen
Wer abergläubig ist, rechnet an so einem Tag mit dem Schlimmsten und verlässt nicht das Haus. Ein Blick morgens aus dem Fenster sagte uns, dass ein wenig Pech uns auch trifft. Es regnete leicht! Doch das sollte uns nicht aufhalten, auch wenn der Traum unserer Strandhochzeit, die solange geplant war, in weiter Ferne schien. Das Inselwetter kann sich zwar stündlich ändern, trotzdem sagten wir seufzend gleich morgens bei der Gemeinde Hörnum die bereits reservierten Strandkörbe und Parkplätze ab. Die Hoffnung wollten wir aber nicht aufgeben.

Während Alexandra sich zur ihrer Marathon-Sitzung zum Friseur begab, (die Auswirkungen sollte ich in der Hochzeitsnacht zu spüren bekommen, …45 wider-spenstige Haarnadeln !!), führte ich Plan B durch: die Dekorierung der Kirche mit tags zuvor von ihr zusammengestellten kleinen Blumenanhängern. Sollte beruhigend wirken, nicht dass ich nervös, nie und nimmer, zitter. Anschließend hieß es: „sich fein machen“. Natürlich an getrennten Orten, denn erst am Standesamt sollte das Jahres-Geheimnis des Brautkleides gelüftet werden.

12 Uhr Mittags - Highnoon am Standesamt Westerland
Nun geht`s los...Es regnete weniger, aber immer noch fein, als wir beim Standesamt ankamen. In der Aufregung riss ich mir noch versehentlich den Blumenanstecker vom Anzugrevers, aber unser Trauzeuge ließ ihn ratzfatz im benachbarten Chinarestaurant mit Tesafilm „reparieren“. Nun war Warten auf die Braut angesagt, während nach und nach die Gäste eintrafen. Nur der Freund unserer Trauzeugin nicht: er hatte auf dem Weg in Westerland einen leichten Autounfall (nur Blechschaden). Also doch ein typischer Freitag der 13. ?

Dann fuhr die Braut vor: in einem schönen Oldtimer-Auto. Nein, es hat natürlich jeder nur auf die Braut bzw. das Kleid (das nicht enden wollte) geschaut, als sie dem Cabrio (wirklich ein toller Wagen) entstieg. Nach den ersten Wiederbelebungsversuchen (mir blieb die Luft weg beim Anblick meiner zukünftigen Frau), konnten wir uns dann Arm in Arm in das ehrwürdige alte Rathaus begeben. Das Trauzimmer liegt ganz oben und ist ein kleiner, aber sehr gemütlich dekorierter Raum. Mit einer gehörigen Portion Respekt und Spannung, was denn nun kommt, nahmen wir auf dem antiken Sofa Platz. (Unser Gesichtsausdruck auf den Bildern sieht doch auch sehr ängstlich aus.) Nach einer schönen Rede unserer Standesbeamtin Frau Decker, konnten wir kurze Zeit später als Ehepaar uns unter „Blitzlichtgewitter“ den ersten Ehekuss (Film) geben. Jetzt galt es nur noch, mit dem neuen Nachnamen fehlerlos zu unterschreiben. Aber Alexandra hatte sich ja schon Monate vorher in ein „Unterschriften-Trainingslager“ begeben, so dass alles prima klappte. Unsere neuen Dokumente wurden uns in einem maritimen Familienbuch mit Leuchtturm-Emblem überreicht und wir genossen nun die vielen Glückwunsch-Umarmungen. Aber... es regnete immer noch. So fuhren wir im Konvoi, jeder bespickt mit einer Hochzeits-Autofahne, leider nicht „oben ohne“ zu unserem Zwischenstopp nach Rantum. Im Hus in Lee kehrten wir für eine kleine Stärkung ein, bevor der kirchliche Segen und Ringetausch um 15 Uhr am Hörnumer Strand folgen sollte.

Die Entscheidung
Noch knapp über 1 Stunde bis zur kirchlichen Trauung und unser banger Blick ging immer Richtung Himmel über Hörnum. Hoffnung keimte auf: es regnete nicht mehr! Aber viele Wolken ließen ein großes Fragezeichen stehen. Jetzt war der Moment gekommen, sich zu entscheiden: Risiko am Strand mit einer evtl. durchnässten Hochzeitsgesellschaft oder Plan B, Ausweichen in die Weiße Segelkirche Sankt Thomas? Nach einem Handy-Telefonat mit Pastor Henke ließen wir, trotz klarer Abstimmung unserer Gäste, wehmütig die Vernunft siegen, freuten uns aber gleichzeitig auf das Glockengeläut der Kirche. Geschlossen fuhren wir alle nun die 15 km von Rantum nach Hörnum. Geschlossen war aber nicht mehr unser Verdeck und wir ließen uns den Nordseewind um die Nase wehen. Es war eine herrliche Fahrt, vorbei an Dünen, Heide und winkenden Menschen. (Feierlich unterstützt durch die verschiedenen Fanfaren des alten Mustangs.) Nach einer Runde durch den Ort und an der neuen Strandpromenade entlang kamen wir schließlich vor der unter Denkmalschutz und auf einer Düne stehenden Kirche an.

Kirchliche Trauung
Jetzt wurde es Zeit, richtig nervös zu werden. Nur noch wenige Schritte und wir sollten vor dem Altar stehen und uns das Ja-Wort geben. Zwar nicht barfuß im Sand, wie wir es erhofft hatten, dafür aber feierlich mit der Atmosphäre einer ehrwürdigen Kirche.
Zunächst versammelten wir uns alle vor dem Weg, der zur Kirche hinaufführt. Dort sollte unsere erste Überraschung auf uns warten. Die kleine Marie hatte einen Korb mit Rosenblättern in der Hand und war unser Blumenkind. Eine riesige Freude, denn Alexandra hatte sich dieses auf unserer Hochzeit immer gewünscht. Bis auf die Braut und den Brautführer, begaben wir uns alle hinein und ich entdeckte sofort den Gospelchor Island Voices. Nun war ich völlig von der Rolle, da auch mein Traum, kirchliche Hochzeit mit einem swingenden Gospelchor, erfüllt wurde. Das war die Überraschung für mich, von meiner lieben zukünftigen Frau! Bei Glockengeläut, und den sanften Klängen des Gitarrenspielers (wir wollten keine Orgel), betrat nun die Braut, geführt vom baldigen Schwiegervater und der Blumen streuenden Marie, die Kirche. Spätestens ab hier haben mich die Eindrücke überwältigt und ich hoffte, jede Sekunde zu erfassen und für immer in Erinnerung zu behalten. Wir genossen alle das erste Lied des Chores (Film) und es folgte eine wirklich schöne Predigt des Pastors, Herrn Henke. Er ließ, aus unserm Tage zuvor geführten langen Gespräch, viele Erinnerungen und Ereignisse unseres bisher gemeinsamen Weges Revue passieren.

Unser Trauspruch: 1.Korinther 13, 7-8
Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie hält allem stand.
Die Liebe hört niemals auf!

Als Zeichen der Verbundenheit und des Schutzes ließ Pastor Henke einen Kreis aus zahlreichen Muscheln um uns herum bilden. Dazu legte jeder ein paar Muscheln zu unseren Füßen. Besonders den Kindern hat dieses sehr viel Spaß und Freude bereitet. Einer Muschel sollte noch eine besondere Rolle zuteil werden. Für die Ringübergabe hatten wir uns eine kleine Besonderheit ausgedacht: Die Ringe waren eingebettet in einer großen Muschel, die zwar nicht von Sylt, sondern aus der Südsee stammte, jedoch unseren Bezug zum Meer darstellen sollte.

Endlich durften wir uns gegenseititig die Eheringe (Film) aufstecken und sie passten! Wir hatten uns für diesen Moment vorher für eine gemeinsame Ehe-Erklärung entschieden und auswendig gelernt. Doch waren wir so aufgeregt, dass vorsichtshalber der Spickzettel griffbereit war. Als wir nieder knieten, Pastor Henke seine Hände auflegte und uns den Segen (Film) erteilte, war es ein unbeschreiblicher Moment und die Anspannung löste sich langsam. Ab jetzt hieß es nur noch genießen! Und zur Stimmung trug der Gospelchor mit seinen frischen Liedern einiges bei. Unter Blitzlichtgewitter verabschiedeten wir uns aus der Segelkirche und freuten uns auf den wenige Meter entfernt liegenden Strand und den kleinen Sektumtrunk. 
 
Am Strand und „wer fängt den Brautstrauß?“
Petrus hatte nun auch endlich bemerkt, dass wir geheiratet haben und ließ die Sonne öfter aufblitzen. Es war warm und trocken, als wir an der Strandpromenade ankamen. Vorbei am Südkap, unterhalb des Hörnumer Leuchtturms, machten wir es uns am etwas ruhigeren Strandabschnitt gemütlich. Hier sollte ebenfalls die Foto-Session mit dem Fotografen erfolgen. Während wir als frischgebackene Eheleute in den Dünen immer wieder in die Kamera strahlten, entstanden auch die schönen Erinnerungsfotos (mit Bilderrahmen) der Gäste durch unseren Trauzeugen und seiner kreativen Liebsten. Unsere Bräutigam-Eltern entließen hier auch bei einer leichten Brise 30 Luftballons in die Freiheit. Jeweils bespickt mit einer Anhängekarte und einer Aufgabe für jeden einzelnen Gast, die bei Fund erfüllt werden muss. Wie es aber am Meer oft so ist, trieb der Wind die Ballons auf die offene See hinaus und bis heute hat sich noch kein Seehund bei uns gemeldet. Lediglich ein Ballon wurde gefunden. Trotzdem war die Tradition der fliegenden bunten Ballons ein schöner Anblick. Was fehlte noch? Richtig, den Brautstrauß werfen! Da die Zahl der ledigen Männer überwiegte (ich gehörte nicht mehr dazu), baten wir alle Ledigen, sich auf der Düne zu platzieren. (Die Gier einiger Damen war unverkennbar.) Alexandra bezog Stellung, die Herren blickten demonstrativ pfeifend und unbeteiligt in die schöne Landschaft und schwupp, kam der Strauß geflogen. Die Herren konterten mit geschickten Ausweichmanövern und unsere Trauzeugin sicherte sich mit einem eleganten sportlichen Ausfallschritt das mehr oder weniger begehrte Objekt der Begierde. Wir freuen uns auf die nächste Feier! Das sollte auch ein würdiger Abschluss am Strand sein, es war bereits 17:30 Uhr, und wir fuhren alle gemeinsam wieder zurück nach Rantum.

Der Abend im Hus in Lee
Wir waren gespannt, ob in der Zwischenzeit unsere mitgebrachte Tischdeko und die Räumlichkeiten nach Alexandras vorab besprochenen Vorstellungen hergerichtet wurden. Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Sehr auf Strand ausgelegt mit Sand, Muscheln, Dünengras und Mini-Leuchttürmen, die auch wirklich leuchteten. (Sie waren der Renner bei den Gästen).

Der gemütliche Teil des Tages, unsere Feier, konnte beginnen.
Wir hatten uns für ein fliegendes Buffet aus 8 Gängen und keine feste Sitzordnung entschieden. Dies sollte die Feier ein wenig auflockern und Gästen, die keinen Fisch mögen (gehört bei einer Hochzeit am Meer natürlich dazu), auch andere Geschmacksrichtungen bieten. So bot sich zwischen den Gängen Raum für kurze Reden und kleine Überraschungen unserer Verwandten und Freunde. (Ein großes Danke an Sylvia, die Frau unseres Trauzeugen, die mit vielen kreativen Ideen uns eine große Freude bereitet hat.) Eine mit vorgetragenem Gedicht überreichte Flaschenpost (Film) hat besonders Spaß gemacht, denn den nächsten Tag haben wir sie feierlich an der Südspitze dem offenen Meer übergeben. Und man glaubt es kaum: 14 Tage später erhielten wir einen Brief mit Bild aus NRW. Von  zwei kleinen Mädchen, die die Flaschenpost aufgeregt am Strand von Föhr gefunden haben. Natürlich wurde der Brief sogleich mit Hochzeitsfoto beantwortet.
Eine weitere Überraschung hängt bei uns zuhause. Der Bilderrahmen, mit dem die Fotos am Strand gemacht wurden, beinhaltet das Plakat, welches jeder Gast zur Erinnerung mit bemalt hat.

Obwohl die Räumlichkeiten kein Tanzen zuließen, kamen wir an unserem Hochzeitswalzer nicht vorbei. Im Garten, der speziell für uns gemütlich mit Fackeln reserviert und hergerichtet war, wurde ein großes Herz aus Teelichtern und Muscheln gelegt und zu späterer Stunde erklang draußen ein Rumtata. Wir gaben alles und viele hatten Angst um das Brautkleid, dass schwingend über die brennenden Kerzen flog.


Es war ein schöner Ausklang eines herrlichen Tages, besonders, als wir das heimlich von Schwiegermama und Freunden geschmückte Appartement betraten. Drinnen und draußen war alles mit Herzen, Luftballons und vielen mehr dekoriert. Glücklich sanken wir in den Morgenstunden in die Federn. Zuvor mussten aber noch die erwähnten 45 Haarnadeln und fast ebenso viele Ösen der Brautkleid-Corsage bezwungen werden. Das war noch mal harte einstündige (!) Arbeit am ersten Ehetag. Alles weitere überlasse ich der Phantasie.

„Der Tag danach“ oder „Das neue Leben“
Traurig, dass nun alles vorbei war und wir uns von vielen lieben Verwandten und Freunden verabschieden mussten, aber glücklich, so einen wunderschönen Tag erleben zu dürfen, begann nun unser Urlaub und unser Eheleben. Zunächst hieß es jedoch: die vielen liebevoll verpackten Geschenke auspacken. War das schön! Manche werden sicherlich bedauert haben, nicht Mäuschen spielen zu können. Denn einige „Verpackungen“ hatten es in sich und uns (und den Staubsauger) den ganzen Tag beschäftigt. Auch zu lesen gab es sehr viel Nettes, was uns auf der Hochzeit zeitlich ja nicht möglich war.


Wir waren noch eine Woche auf Sylt, der Sommer kam mit Schwung zurück und wir 
haben es keinen Moment bereut, uns hier, in der alten Heimat von Alexandra, das Ja-Wort gegeben zu haben.

Und allen, die uns begleitet, unterstützt und sich mit uns gefreut haben, sei nochmals gesagt:


GANZ LIEBEN DANK !!!